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ValparaĂso
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ValparaĂso (deutsch Paradiestal) ist eine Hafenstadt in Chile mit 252.888 Einwohnern. Die Agglomeration ValparaĂsos umfasst 901.468 Einwohner (Stand: 2017). Die Stadt ist Sitz des chilenischen Kongresses. Teil des Stadtgebiets ist die ĂĽber 1000 km vom Stadtkern entfernte Gruppe der Desventuradas-Inseln.
ValparaĂso liegt an einer nach Norden offenen Bucht des Pazifischen Ozeans. Der Hafen ist einer der bedeutendsten des Landes. Die Stadt ist Inhalt zahlreicher literarischer, musikalischer und kĂĽnstlerischer Interpretationen. Im Juli 2003 wurde der historische Stadtkern mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.cite-ref-1[1]
Contents
• Geographie
• Klima
• Geschichte
• Vorkolonialzeit
• Kolonialzeit
• Militärputsch
• 21. Jahrhundert
• Trivia
• Literatur
• Weblinks
• Einzelnachweise
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Geographie
Die Stadt liegt auf 33,05° sĂĽdlicher Breite an der PazifikkĂĽste, im sĂĽdlichen Teil einer Bucht (BahĂa de ValparaĂso), ĂĽber 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Die Einwohner der Stadt werden im Spanischen Porteños genannt (von span. puerto, Hafen). Auf der Nordseite der Bucht liegt die Stadt Viña del Mar, ein mondäner Urlaubsort mit vielen Hochhäusern und einem Kasino. Der Ballungsraum ValparaĂso-Viña del Mar ist nach Santiago de Chile der zweitgrößte des Landes.
Klima
Das Klima in ValparaĂso ist mediterran und ähnelt sehr stark dem Klima von San Francisco. Auch im Sommer sorgt die Meereslage fĂĽr Seewind und gemäßigte Temperaturen (selten ĂĽber 30 °C). Die Nächte sind wegen des kalten Wassers des Humboldtstroms jedoch relativ kĂĽhl.
Geschichte
Vorkolonialzeit
Die Bucht um ValparaĂso war von den Changos bevölkert, einer ethnischen Gruppe, die sich der Fischerei und Landwirtschaft widmete.
Kolonialzeit
Die Bucht wurde von europäischer Seite zuerst 1536 von dem Spanier Juan de Saavedra erkundet. Sein Schiff wurde von Diego de Almagro ausgesandt. Die Gründung der Stadt erfolgte im Jahr 1544 durch Juan Bautista Pastene.
Während der Kolonialzeit entwickelte sich ValparaĂso zunächst nur langsam und blieb ĂĽber lange Zeit ein unbedeutendes Fischerdorf, was auch auf die zahlreichen Ăśberfälle von Piraten und Freibeutern zurĂĽckzufĂĽhren ist. So ĂĽberfiel Francis Drake auf seiner Weltumsegelung am 5. Dezember 1578 die Stadt, erbeutete ein Schiff und plĂĽnderte die Häuser.
Erst durch den Beschluss des chilenischen Kongresses vom 21. Februar 1811, den Hafen von ValparaĂso „dem freien Handel mit den fremden Mächten, Freunden und VerbĂĽndeten Spaniens wie auch den neutralen Mächten“ zu öffnen, beschleunigte sich die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zunehmend.
Chilenische Unabhängigkeit
Vor der Eröffnung des Panamakanals war ValparaĂso der erste größere Hafen, den Schiffe nach der Umfahrung von Kap Hoorn erreichten. Deshalb war im 19. Jahrhundert der Hafen der Stadt der dominierende am sĂĽdlichen Pazifik und neben San Francisco einer der beiden bedeutendsten Häfen an der WestkĂĽste Amerikas. Teile des Stadtzentrums entstanden durch AufschĂĽttungen im Meer.
Die Stadt wurde mehrfach, so auch 1822 und 1851, durch Erdbeben beschädigt. In der Zeit von 1850 bis 1860 wurden die Börse der Stadt, die erste private Bank Chiles sowie die Feuerwehr gegründet. In denselben Zeitraum fällt die Eröffnung der Eisenbahnverbindung in die Hauptstadt Santiago de Chile.
Am 31. März 1866 wurde die Stadt im Spanisch-Südamerikanischen Krieg von einer spanischen Flotte bombardiert, die unter dem Kommando von Admiral Méndez Núñez stand. Die Fregatten Numanci, Blanca, Villa Madrid, Resolución und Vencedora beschossen die Stadt rund drei Stunden lang, wobei etwa 2600 Granaten verschossen wurden. Die Stadt wurde stark zerstört. Der Angriff auf das unbefestigte Valparaiso löste international heftige Proteste aus.
Bereits 1885 hatte ValparaĂso 115.147 Einwohner, darunter rund 10.000 Ausländer. Am 11. August 1888 brach der Staudamm des Mena-Staus, durch die Flutwelle starben etwa 100 Einwohner. Am 1. Januar 1898 wurde die Evangelisch-Lutherische Kirche zum Heiligen Kreuz auf dem HĂĽgel ConcepciĂłn eingeweiht, die erste protestantische Kirche des Landes und ganz SĂĽdamerikas mit einem Glockenturm.cite-ref-2[2]
Am 16. August 1906 erschütterte erneut ein starkes Erdbeben mit anschließendem Tsunami die Stadt. Die Naturkatastrophe forderte mehr als 3000 Todesopfer und gehört zu den schlimmsten Erdbeben des 20. Jahrhunderts in Chile. Die heute nahe der Küstenlinie stehenden Gebäude stammen fast ausschließlich aus der Zeit nach diesem Beben.
Mit der Eröffnung des Panamakanals fĂĽr den regelmäßigen Schiffsverkehr 1920 verlor der Hafen an Bedeutung. Im gleichen Jahr hatte ValparaĂso 182.422 Einwohner.
Militärputsch
Der Militärputsch in Chile von 1973 nahm seinen Anfang im Hafen ValparaĂso, und der Leichnam Allendes wurde gleich nach seinem Tod, zuerst geheim, auf dem Friedhof des nahegelegenen Viña del Mar beerdigt. In den ersten Tagen der Pinochet-Diktatur wurde der BĂĽrgermeister Sergio Vuskoviccite-ref-3[3] auf die Isla Dawson deportiert.
Am Ende der Diktatur wurde der chilenische Nationalkongress in die Stadt verlegt. Jedes Jahr am 21. Mai spricht der Präsident des Landes vor dem Kongress. Regelmäßig kommt es zu Straßenschlachten zwischen linksgerichteten Demonstranten und der Polizei.
21. Jahrhundert
Ende Februar 2010 traf die Stadt ein Erdbeben, das auch den Hafen, den Industriepark und bedeutende Glasfaser-Kommunikations-Verbindungen nach Chile beschädigte.
Am 12. April 2014 brach am Rand der Hafenstadt ein Großbrand aus. Das Feuer zerstörte rund 2900 Gebäude und eine Fläche von 965 ha; mindestens 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Es brannte in zwölf Stadtteilen, viele Einwohner litten durch die Asche unter Atemproblemen. Über die Stadt wurde der Notstand ausgerufen, 12.500 Einwohner wurden evakuiert. Der Brand war erst nach mehr als einer Woche unter Kontrolle. Als Brandursache kommen laut Augenzeugen zwei Geier in Frage, die auf einer Hochspannungsleitung landeten und zusammen mit Wind das Zusammenschlagen von Leitungsdrähten bewirkten. Funken (glühendes Metall) hätten trockene Blätter auf einer 30 ha großen Mülldeponie an der Autobahn entzündet.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]
Im Februar 2024 wurde ValparaĂso erneut von Waldbränden heimgesucht, die Teile der Städte Viña del Mar und QuilpuĂ© in der Region ValparaĂso des Landes erfassten. Die Brände begannen in den HĂĽgeln sĂĽdlich der Städte und breiteten sich schnell aufgrund extremer Wetterbedingungen, darunter eine Hitzewelle, DĂĽrre und starke Winde, aus. Die Feuerwogen griffen auf Wohngebiete ĂĽber und zerstörten mehr als 14.000 Gebäude. Bis zum 8. Februar 2024 zählten die Behörden 131 Todesopfer.cite-ref-9[9]
Wirtschaft, Verkehr und Bildung
ValparaĂsos Hafen zählt zu den wichtigsten Häfen SĂĽdamerikas. Im 19. Jahrhundert war ValparaĂso jahrzehntelang der größte Hafen des gesamten Pazifikraumes. Nach der Eröffnung des Panamakanals 1920 nahm seine Bedeutung allerdings rapide ab. Heute ist er nicht einmal mehr der größte Hafen Chiles. Im Nachbarort San Antonio wird heute mehr Tonnage umgeschlagen als in ValparaĂso, vor allem Importwaren fĂĽr Santiago. Die meisten Exporte dagegen erfolgen dezentral ĂĽber eine Reihe von Häfen nahe der Kupferminen in der I. und II. Region. In der Stadt befand sich auch lange Zeit die Wertpapierbörse Bolsa de Corredores de ValparaĂso, welche jedoch heutzutage nicht mehr aktiv ist.
In der Stadt befindet sich das Hauptquartier der Chilenischen Marine.
In der Stadt verkehrt seit 1952 der Oberleitungsbus ValparaĂso, heute der einzige Obus-Betrieb des Landes. Auf der Eisenbahnstrecke nach Santiago de Chile besteht seit 1990 kein durchgehender Reiseverkehr mehr, sie wird jedoch seit 2005 bis Limache vom Tren Limache–Puerto, einem S-Bahn-ähnlichen, in dichtem Takt bedienten Vorortverkehr, befahren. FĂĽr diesen Betrieb wurde der Abschnitt Puerto–Limache wieder zweigleisig ausgebaut. Der Tren Limache–Puerto ist das erste Nahverkehrsangebot Chiles, das an Wochenenden und Feiertagen die Fahrradmitnahme ermöglicht.
In der Stadt gibt es mehrere Hochschulen, darunter die Technische Universität Universidad TĂ©cnica Federico Santa MarĂa, die katholische Hochschule Pontificia Universidad CatĂłlica de ValparaĂso, die staatliche Universidad de ValparaĂso und die Pädagogische Hochschule Universidad de Playa Ancha de Ciencias de la EducaciĂłn. ValparaĂso ist somit auch ein bedeutendes Bildungszentrum Chiles. 1949 wurde die Burschenschaft Ripuaria gegrĂĽndet, eine Studentenverbindung deutscher Tradition.
SehenswĂĽrdigkeiten
In der Stadt, die sich über eine Vielzahl von Hügeln (Cerros) erstreckt, finden sich zahlreiche Gebäude in altem Stil. Das Altstadtviertel und die angrenzenden, pittoresken Hügel Cerro Alegre und Cerro Concepción sind ein beliebter Wohnort von Künstlern und Studenten. Hier liegen auch viele Cafés, Kneipen, Restaurants und Hotels sowie kleinere Boutiquen.
Bereits den chilenischen Nationaldichter Pablo Neruda, der in ValparaĂso lebte und dessen letzte Wirkungsstätte heute das Neruda-Museum „La Sebastiana“ beherbergt, faszinierten die zahllosen Treppen der Stadt.
Die 16 noch erhaltenen Ascensores-AufzĂĽge bzw. Standseilbahnen fĂĽhren auf die wichtigsten HĂĽgel. Gebaut wurden etwa 30 Anlagen. Anfang 2017 waren neun in Betrieb, siehe Standseilbahnen und AufzĂĽge von ValparaĂso.
Weitere SehenswĂĽrdigkeiten sind der Palast Ross, die 1950 geweihte Kathedrale, das See- und Meeresmuseum, das Centro Cultural, das in einem ehemaligen Gefängnis beheimatet ist, und das Museo de Bellas Artes. Auch das restaurierte Hauptgebäude der Päpstlichen Katholischen Universität von ValparaĂso ist sehenswert.
Städtepartnerschaften
ValparaĂso unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:
• Rosario Argentinien Argentinien
• Shanghai China Volksrepublik Volksrepublik China
• Noworossijsk Russland Russland
• Long Beach Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Söhne und Töchter der Stadt
→
Hauptartikel
:
Liste von Söhnen und Töchtern der Stadt ValparaĂso
Trivia
• Die Zeitung El Mercurio de ValparaĂso ist die älteste spanischsprachige Zeitung.
• Eine Beschreibung der Stadt erhält man im gleichnamigen Lied von Osvaldo RodrĂguez.
• Der Dokumentarfilmer Joris Ivens drehte 1963 einen Film ĂĽber ValparaĂso.
• Reinhard Mey erwähnt ValparaĂso in den Liedern Dieter Malinek, Ulla und ich und Frei! sowie Katja Ebstein in Der groĂźe Don Antonio.
• G. G. Anderson widmete im Jahr 1991 einer Frau aus ValparaĂso den Schlager Engel von ValparaĂso.
• Sting schrieb und komponierte 1996 den Song ValparaĂso.
• Jules Verne erwähnt ValparaĂso in vielen Romanen.
• ValparaĂso wird auch in Thomas Manns Buddenbrooks erwähnt. Dorthin hatte es den jungen Christian Buddenbrook verschlagen.
• Der Roman Die GroĂźe Stadt (La ciudad grande) des in Deutschland lebenden Exilschriftstellers Omar Saavedra Santis spielt in ValparaĂso, wobei der Name der Stadt nicht genannt wird.
• H. P. Lovecraft erwähnt in einigen seiner Schriften ValparaĂso.
• ValparaĂso ist eine Mehrspielerkarte im 2010 erschienen Ego-Shooter Battlefield: Bad Company 2.
• Am 6. Juli 2010 strandete ein Hochsee-Handelsschiff unweit des Hafens an der Uferverbauung der Stadt.cite-ref-10[10]
Literatur
• Das Erdbeben von Valparaiso im Jahre 1906. In: Aarauer Neujahrsblätter, Band 40. 1966. S. 52–57 (Digitalisat).
Weblinks
Commons
: ValparaĂso
– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: ValparaĂso
– Reiseführer
• Eintrag auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
• Geschichte der deutschen Schule ValparaĂso Ăśberseegemeinden haben ValparaĂsos Geschichte geprägt, hier ein Beispiel.
• ValparaĂso – Die Stadt der AufzĂĽge auf YouTube 360° - GEO Reportage, Arte, 2015
Einzelnachweise
cite-note-22. ↑ Valparaiso: A Revealing Itinerary. Regierung von Andalusien, 2005 (englisch, juntadeandalucia.es [PDF]).
cite-note-33. ↑ Philippe Sands: 38, rue de Londres : De l’impunité, Pinochet et le Nazi de Patagonie. Traduit par Christophe Beslon. Hrsg.: Hélène Monsacré. Éditions Albin Michel, Paris 2025, ISBN 978-2-226-49344-6, S. 295.
cite-note-44. ↑ SĂĽddeutsche.de: Feuerwalze fordert Tote in ValparaĂso vom 13. April 2014
cite-note-55. ↑ Zeit Online: Tote und Zerstörung durch Feuer in ValparaĂso vom 13. April 2014
cite-note-66. ↑ Großbrand in Chile: Valparaiso unter dicker Ascheschicht - news. In: orf.at. 14. April 2014, abgerufen am 15. März 2024.
cite-note-77. ↑ Tsunami-Warnung nach schwerem Erdbeben vor Chile - news.ORF.at. In: newsv2.orf.at. 17. September 2015, abgerufen am 15. März 2024.
cite-note-99. ↑ Incendios descontrolados queman ValparaĂso - NASA Ciencia. Abgerufen am 9. Mai 2024 (spanisch).
cite-note-1010. ↑ Stranded ships: Waves batter a merchant vessel stranded ..., Reuters.com, 6. Juli 2010, abgerufen am 3. Februar 2016.